#sacrelektro: Strawinsky. Live. Elektro.

Fünf Pioniere im Zwischenraum der elektronischen und klassischen Musikszene haben sich mit der Thematik des Opfertanzes aus dem Meisterwerk „Le sacre du printemps“ von Igor Strawinsky auseinandergesetzt. Die Geschichte des Balletts - ein sich zu Tode tanzendes Mädchen - wird auf einer Metaebene weitererzählt, bis das Mädchen als Engel aus dem Jenseits wiederkehrt.
Akteure und Orte
Künstler
(Instrumentalist*in)
(Arrangeur*in, Live-Elektronik)
Publikum
Raum

Das klassische Sinfonieorchester fusioniert mit elektronischer Musik und eröffnet eine neue Ebene der Hörerfahrung, wenn die Elektronik wie ein weiteres Register mit dem Orchester verschmilzt. Fünf Pioniere im Zwischenraum der elektronischen und klassischen Musikszene haben sich mit der Thematik des Opfertanzes aus dem Meisterwerk „Le sacre du printemps“ von Igor Strawinsky auseinandergesetzt. Die Geschichte des Balletts - ein sich zu Tode tanzendes Mädchen - wird auf einer Metaebene weitererzählt, bis das Mädchen als Engel aus dem Jenseits wiederkehrt.

Geballte Fäuste, blaue Augen und blutende Ohren waren das Ergebnis der Uraufführung Le Sacre du Printemps von Igor Strawinsky, einer der größten Skandale in der Musikgeschichte. Gut ein Jahrhundert später ist der einstige Publikumsschocker als Sinnbild der musikalischen Avantgarde längst zum Klassiker geworden. Im ersten Teil wird das Originalwerk „Le sacre du printemps“ wie bei der Uraufführung auf das Publikum treffen: Buhrufe waren im Jahr 1913 das Mindeste - es wurde gestritten, geprügelt, die Leute rasteten aus. In der zweiten Konzerthälfte wird jedoch niemand ruhig auf seinem Stuhl sitzenbleiben, wenn das Studio 1 im Funkhaus Berlin zur Szenerie für #sacrelektro wird: Eine Fusion aus 111 Orchestermusikern und Live-Elektronik, die sich ohne vorproduziertes Sicherheitsnetz als zusätzliches Register in das Orchester einreiht.

Mit dem Projekt sacrelektro schlägt die junge norddeutsche philharmonie eine Brücke zwischen Tradition und Innovation, zwischen Klassik und Elektro.

Damals wurde Technik in der Sphäre der Musik noch als etwas Neues und Fremdes – oftmals sogar als etwas Gefährliches und Bedrohliches – wahrgenommen, heute wird der Technik gern etwas Banalisierendes unterstellt. Doch gerade der Verzicht auf vorproduzierte Backintracks in der Produktion sacrelektro lässt die Live-Elektronik flexibel auf Impulse der Orchestermusiker*innen reagieren und lässt die beiden Pole zu einem Klangkörper verschmelzen. In diesem Format ist moderne Klassik, Elektronik, Tanzen und Chillen verbunden und verbindet. Vielleicht ein Klassik-Modell der Zukunft.

 

Programm

Le sacre du printemps - Igor Strawinsky (1882-1971) #sacrelektro - Rekomposition von Julian Maier-Hauff, Alexandre Kordzaia, Konrad Hinsken, Jonas Urbat, Joshua Lutz

Credit

Christoph Altstaedt (Dirigent), Julian Maier-Hauff, Kordz, Konrad Hinsken, Joshua Lutz, Jonas Urbat (alle Live-Elektronik und Arrangement), junge norddeutsche philharmonie

Nachgefragt

Welche besonderen gestalterischen Mittel wurden eingesetzt und warum? Welches dramaturgische/szenische Konzept wurde verfolgt?

In beiden Veranstaltungen wurde entsprechend der räumlichen Gegebenheiten angestrebt, zur Live-Elektronik-Collage eine authentische Beleuchtung herzustellen. Eine Besonderheit ist die Soundscape zu Beginn von #sacrelektro gewesen: Die Konzertbesucher*innen luden sich Klänge auf ihr Smartphone, die von Jonas Urbat aktiviert werden konnten.

Beschreibe den künstlerischen und kreativen Entstehungsprozess.

Der Prozess setzt in Vorerfahrungen an, welche die junge norddeutsche philharmonie mit Julian Maier-Hauff gesammelt hatte. Bei der Zusammenstellung der Band achteten wir darauf, dass unterschiedliche Techniken und Fähigkeiten vertreten sind. Die Beteiligten sollten frühzeitig in Austausch treten und insbesondere die Potenziale von Orchester und Live-Elektronik besser verstehen lernen, um etwas ultimativ neues neu schaffen. Ein einwöchiger Workshop mit der Band bedeutete einen entscheidenden „Entwicklungssprint“ für das Projekt. In einer effizienten Orchesterproduktion (mit einigen Improvisationssessions) wurden die Bestandteile mit dem Orchester zusammengefügt und zur Aufführung gebracht.

Welche Erfahrungen in Bezug auf dieses Projekt könnt Ihr mit anderen teilen? Was war positiv, was war negativ? Was hat funktioniert, was nicht? (Beispiel: Welche Schwierigkeiten hattet Ihr in Bezug auf Förderung, Projektpartner, Publikum, Programm, Konzertdesign, Zusammenspiel verschiedener Disziplinen?) 

In der Hamburger Elbphilharmonie löste insbesondere der elektronische Konzertteil #sacrelektro Begeisterung aus, Strawinsky war regelrecht im Bereich des Erwarteten für die anwesenden Schüler*innen des Education-Konzerts gewesen. Die Besucher*innen aus dem Funkhaus-affinen Publikum empfanden die Veranstaltung als außergewöhnlich interessant und nahmen auch den Strawinsky in ungewohnter Umgebung sehr offen an. Anspruchsvolle Klassikhörer in Berlin bemängelten wiederum den plakativen Charakter der Verbindung von Live-Elektro mit einer sinfonischen Orchesterbesetzung.

Was habt Ihr persönlich aus diesem Projekt gelernt? 

Strawinsky „Le Sacre du Printemps“ ist eine hohe Messlatte – eben ein Klassiker.   Aber sicherlich ist vor allem der Prozess sehr lehrreich gewesen, mehr als wenn wir nur ein fertiges Stück reproduziert hätten!

Welche Parameter haben Euch eingeschränkt, was die größte Herausforderung? Wie seid ihr damit umgegangen?

Raum, Zeit, Geld…